top of page

Warum passiert das immer wieder?

11. Juli
3 Min. Lesezeit

Wie kann es sein, dass man innerlich ruhig geworden ist, sich selbst besser versteht, liebevoll mit anderen umgeht und trotzdem immer wieder Menschen begegnet, die respektlos sind, Grenzen überschreiten oder einem das Leben schwer machen?

Immer wenn Menschen mir erzählen, dass sie trotz eines guten inneren Zustands immer wieder schwierige Erfahrungen machen, denke ich an drei Möglichkeiten.

Die erste ist, dass das Leben unseren inneren Frieden gar nicht vor Herausforderungen schützen soll. Ein guter Mensch kann genauso krank werden, einen Unfall erleben oder respektlosen Menschen begegnen wie jeder andere auch. Ein friedliches Herz macht uns schließlich nicht unverwundbar.

Die zweite Möglichkeit ist, dass wir uns längst verändert haben, unser Umfeld aber noch nach den alten Regeln mit uns umgeht. Muster lösen sich selten in dem Moment auf, in dem wir eine Erkenntnis haben. Oft zeigen sie sich sogar noch einmal besonders deutlich. Fast so, als würde das Leben fragen: „Und… wie gehst du diesmal damit um?“

Und dann gibt es noch eine dritte Möglichkeit, über die selten gesprochen wird.

Vielleicht ziehen wir diese Situationen gar nicht an.

Vielleicht erkennen wir sie heute einfach schneller als früher.

Unser Gehirn ist ein unglaublicher Mustererkenner. Sobald wir beginnen, bewusster durchs Leben zu gehen, fallen uns Dinge auf, die wir früher übersehen hätten. Das bedeutet nicht automatisch, dass plötzlich mehr schwierige Situationen entstehen. Es kann genauso gut bedeuten, dass wir sie zum ersten Mal klar sehen.

Viele von uns haben irgendwann begonnen zu glauben, dass ein guter innerer Zustand automatisch auch ein gutes Leben erschafft. Als würde das Universum irgendwann sagen: „So, jetzt hast du genug gelernt. Ab heute läuft alles leicht.“

Ist das so?

Ein friedlicher Mensch lebt schließlich nicht plötzlich in einer anderen Welt. Die Menschen um ihn herum bleiben zunächst dieselben. Auch das Leben hält sich nicht an die Vorstellung, dass nach jeder Erkenntnis nur noch schöne Erfahrungen folgen dürfen.

Was sich verändert, ist unsere Art, mit den Dingen umzugehen.

Ich habe immer mehr das Gefühl, dass schwierige Situationen oft schon lange da waren. Nur haben wir sie früher anders eingeordnet. Wir haben sie entschuldigt, kleingeredet oder sogar die Schuld bei uns gesucht. Heute erkennen wir viel schneller, wenn etwas einfach nicht gesund ist.

Von außen sieht das oft aus wie früher. Innerlich fühlt es sich völlig anders an.

Mir ist dabei noch etwas aufgefallen.

Freundliche Menschen wirken auf manche wie eine offene Einladung. Viele setzen Freundlichkeit mit Nachgiebigkeit gleich. Wer selten widerspricht, bekommt irgendwann immer mehr zugemutet. Wer verständnisvoll ist, wird oft als selbstverständlich angesehen.

Dabei kann ein Mensch voller Mitgefühl sein und trotzdem eine klare Grenze setzen. Er darf vergeben und trotzdem Abstand halten. Er darf ruhig bleiben und dennoch deutlich machen, wo für ihn Schluss ist.

Es geht gar nicht darum, dass plötzlich keine schwierigen Menschen mehr auftauchen. Es geht darum, dass sie immer weniger darüber entscheiden, wie es uns innerlich geht. Jemand kann respektlos sein. Trotzdem müssen wir den Respekt vor uns selbst nicht verlieren. Jemand kann laut werden. Trotzdem dürfen wir ruhig bleiben.

Mit jeder Erfahrung entsteht langsam etwas Neues. Kein perfektes Leben und auch keine Welt ohne Herausforderungen. Es wächst ein Mensch heran, der sich selbst immer seltener verlässt, nur damit andere zufrieden sind. Deshalb denke ich heute, dass Schwierigkeiten nicht automatisch bedeuten, auf dem falschen Weg zu sein.

Manchmal erscheinen sie genau dann, wenn wir bereit sind, eine andere Entscheidung zu treffen als früher. Und vielleicht ist genau das der Moment, in dem wir erkennen:

Das Leben hat sich gar nicht verändert.

Wir haben es.

Leaving WonD3rland 🪞💫

Aktuelle Beiträge

Alle ansehen
WARUM WIR NICHT ALLE AUFWACHEN WERDEN

Vielleicht ist der Fehler im Denkmodell zu glauben, dass alle erwachen müssen... Wenn man die Natur zum Beispiel als Metapher nimmt -> Ein Baum produziert im Herbst tausende Samen. Nur ein winziger Br

 
 
 
Das Phänomen der „Bioroboter“

Der Philosoph George Gurdjieff beschrieb die Menschheit schon vor fast 100 Jahren als eine Ansammlung von „schlafenden Maschinen“. Er argumentierte, dass die meisten Menschen rein mechanisch auf Reize

 
 
 

Kommentare


bottom of page