GALAKTISCHE FÖDERATION 👽

Abteilung für interplanetare Verhaltensforschung
Aktenzeichen: GF-ERDE-4711-S
Antwort auf das Schreiben der Bewohnerin „Susanne“
Sehr geehrte Frau Susanne,
vielen Dank für Ihr Schreiben.
Üblicherweise beobachten wir junge Zivilisationen aus angemessener Entfernung.
Dass eine Bewohnerin des beobachteten Planeten beginnt, ihre Beobachter zu befragen, ist in unserer Dienstvorschrift bislang nicht vorgesehen.
Nach mehreren internen Besprechungen und zwei versehentlich einberufenen Meetings kamen wir schließlich zu dem Ergebnis, dass wir selbst zuständig sind.
Zunächst möchten wir klarstellen, dass es innerhalb unserer Behörde offiziell keinen Whistleblower gibt.
Unser IT-Beauftragter vermutet ein zu einfaches Passwort.
Nun zu Ihren Fragen.
Sie fragten uns, was wir eigentlich seien.
Eine bemerkenswerte Frage.
Während unserer Untersuchungen auf der Erde stellten wir fest, dass Menschen diese Frage ausgesprochen selten einander stellen.
Noch seltener bleiben sie lange genug sitzen, um sich die Antwort anzuhören.
Wir beantworten Ihre Frage daher vorläufig mit:
„Aus demselben Grund wie Sie.“
Unsere Wissenschaftler gehen derzeit davon aus, dass Ihre Spezies diese Antwort vermutlich erst später vollständig einordnen kann.
Sie fragten außerdem, warum wir existieren.
Unsere Wissenschaftler vermuten, dass jede intelligente Spezies diese Frage irgendwann stellt.
Viele Bewohner Ihres Planeten scheinen diese Überlegung auf „später“ zu verschieben.
Unsere Langzeitstudie beschäftigt sich derzeit ausschließlich mit der Frage, wann dieses „später“ beginnt.
Auch Ihr Interesse am Thema Zeit überraschte uns nicht.
Ja.
Wir besitzen Zeit. Wir planen und forschen. Wir ruhen.
Menschen erklären dagegen erstaunlich häufig, keine Zeit zu haben.
Kurz darauf beobachten wir dieselben Personen dabei, wie sie 64 kurze Videos ansehen.
Sie wollten außerdem wissen, ob wir Geld besitzen.
Nein.
Wir handeln überwiegend mit Vertrauen.
Ihre Spezies verwendet ein anderes Verfahren.
Sie baut zunächst Vertrauen auf.
Danach entstehen Verträge.
Später Versicherungen.
Anschließend Anwälte.
Unsere Wirtschaftsabteilung bezeichnet dieses Vorgehen als „außergewöhnlich kreativ“.
Ihre Frage nach der Liebe löste innerhalb unserer Behörde unterschiedliche Reaktionen aus.
Professor Xylon erklärte:
„Liebe beginnt vermutlich dort, wo Optimierungsversuche enden.“
Praktikant Glorp schrieb in seinen Bericht:
„Menschen suchen jemanden, der perfekt erscheint. Kurz darauf beginnen umfangreiche Renovierungsarbeiten.“
Professor Xylon bat darum, diese Formulierung nicht zu veröffentlichen.
Der Antrag wurde mehrheitlich abgelehnt.
Ihre übrigen Fragen werden derzeit bearbeitet.
Leider unterliegen mehrere Antworten der Geheimhaltungsstufe Sternennebel.
Mit freundlichen Grüßen
Professor Xylon
Leiter der Abteilung für interplanetare Verhaltensforschung
Dieses Schreiben wurde maschinell erstellt und ist ohne Unterschrift gültig.
Anlagen
☑ Antwortschreiben (teilweise freigegeben)
☑ Forschungsprotokoll GF-17
☑ Antrag auf Teilfreigabe
☐ Vollständige Antworten (gesperrt)
¹ Professor Xylon bat Praktikant Glorp erneut, keine Bewohner der Erde versehentlich in den internen Verteiler aufzunehmen.
² Die IT-Abteilung weist darauf hin, dass das Passwort „123Universum“ künftig nicht mehr verwendet werden darf.
³ Die Sperrung sämtlicher Datenlecks verlief erfolgreich.
Mit Ausnahme von Leaving WonD3rland.
Dort erscheinen unsere Berichte weiterhin regelmäßig.
⁴ Es ist weiterhin unklar, ob es sich bei Leaving WonD3rland um einen Freizeitpark, eine Organisation oder einen besonders hartnäckigen Menschen handelt.
⁵ Dieses Schreiben ist ausschließlich für die Bewohnerin „Susanne“ bestimmt. Sollte es erneut außerhalb unserer Behörde erscheinen, handelt es sich um eine nicht autorisierte Veröffentlichung.
Leaving WonD3rland 👽💫





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