GALAKTISCHE NACHRICHTEN

Spezialbericht vom Planeten Erde
Tag 1 unserer Forschungsmission.
Nach einer längeren Reise durch mehrere Sternensysteme erreichten wir einen Planeten namens Erde. Die Bewohner nennen sich selbst „Menschen“. Unsere ursprüngliche Annahme war, dass es sich dabei um eine fortgeschrittene Spezies mit einem klaren Verständnis ihrer Herkunft, ihres Zwecks und ihrer Funktion handelt. Nach den ersten Gesprächen mussten wir diese Einschätzung jedoch überdenken.
Auf die Frage „Was seid ihr?“ erhielten wir zahlreiche Antworten. Einige bezeichneten sich als Schweizer, Deutsche oder Franzosen. Andere als Christen, Muslime oder Atheisten. Wieder andere antworteten mit Begriffen wie Unternehmer, Lehrer, Elektriker, Influencer oder Politiker. Bisher konnte jedoch keiner der Befragten schlüssig erklären, was ein Mensch eigentlich ist. Unsere Wissenschaftler vermuten, dass die Bewohner ihre Tätigkeit, ihre Herkunft oder ihre Gruppenzugehörigkeit mit ihrer eigentlichen Existenz verwechseln.
Besonders faszinierend erscheint ihr Verhältnis zur Zeit. Die meisten Menschen verwenden einen Großteil ihres Lebens darauf, Termine einzuhalten, Uhren zu beobachten und Kalender zu organisieren. Gleichzeitig beklagen sie regelmäßig, zu wenig Zeit zu haben. Warum sie ein System erschaffen haben, das ihnen permanent Zeitmangel signalisiert, obwohl sie dieses System selbst betreiben, konnte bislang nicht geklärt werden.
Wir beobachteten außerdem ein interessantes Ritual. Jeden Morgen werden die Bewohner von kleinen Geräten geweckt, die sie freiwillig erworben haben. Anschließend verlassen sie ihre Schlafräume, fahren zu Orten, die sie oft nicht besonders mögen, und verbringen dort viele Stunden, um Zahlen auf einem Bildschirm zu vermehren. Mit diesen Zahlen erwerben sie Gegenstände, die sie benötigen, weil sie zuvor viele Stunden gearbeitet haben. Unsere Forschungsabteilung untersucht derzeit, ob es sich hierbei um eine kulturelle Tradition oder um eine planetare Schleife handelt.
Auch die sozialen Beziehungen werfen Fragen auf. Die Bewohner suchen intensiv nach Liebe, Nähe und Verbindung. Sobald diese gefunden wurden, beginnen erstaunlich viele damit, einander zu kontrollieren, zu kritisieren oder misszuverstehen. Danach hören sie traurige Musik, betrachten alte Fotografien und versuchen anschließend erneut, Liebe zu finden. Dieser Kreislauf scheint sich über Generationen hinweg zu wiederholen.
Eine weitere Besonderheit betrifft die Kommunikation. Die Bewohner tragen kleine leuchtende Rechtecke mit sich herum und betrachten diese teilweise mehrere Stunden pro Tag. Über diese Geräte tauschen sie Informationen, Meinungen, Ängste, Hoffnungen, Bilder von Mahlzeiten und Videos von tanzenden Katzen aus. Die genaue Priorisierung dieser Inhalte ist für unsere Wissenschaftler derzeit noch nicht nachvollziehbar.
Am überraschendsten war jedoch die Antwort auf unsere letzte Frage.
„Warum seid ihr?“
Die meisten Bewohner konnten sofort erklären, was andere Menschen falsch machen. Sie konnten politische Systeme beschreiben, die Fehler ihrer Nachbarn benennen und stundenlang über die Welt diskutieren. Auf die Frage nach dem eigenen Dasein wurde es jedoch auffallend still.
Die Forschung wird fortgesetzt.
Unser nächster Bericht erscheint nach weiteren Beobachtungen dieser bemerkenswerten Spezies.
Leaving WonD3rland 👽🛸




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