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„Jeder, der mal Leys Chips gegessen hat, hat Menschenfleisch gegessen.“

12. Mai
2 Min. Lesezeit

Diesen Satz sagte vor einiger Zeit ein Künstler aus Deutschland… und wie immer, wenn das Internet Blut riecht, dauerte es keine fünf Minuten, bis Menschen ihn weiterverbreiteten, zerschnitten, dramatisierten und mit eigenen Fantasien auffüllten.

Ich sass da und dachte zuerst einfach nur: …wtf?

Aber dann begann ich zu überlegen.

Wie kommt ein Mensch überhaupt auf so eine Behauptung?

Denn wenn wir das Ganze einmal logisch auseinandernehmen, wird schnell klar, wie absurd die praktische Umsetzung wäre.

Alleine die industrielle Fleischproduktion verschlingt gigantische Ressourcen. Tiere brauchen Platz, Futter, Wasser, Transport, Verarbeitung, Kühlung, Kontrolle, Lieferketten, Hygienevorschriften und Milliardeninvestitionen. Die Fleischindustrie funktioniert nur deshalb, weil sie extrem standardisiert und optimiert wurde.

Und jetzt soll plötzlich ein weltweiter Konzern heimlich Menschen „verwerten“?

Woher? Wie? Von wem? In welchen Mengen? Über welche Lieferketten? Mit welchen Dokumenten? Mit welchen Mitarbeitern? Mit welchen Laboren? Mit welchem Risiko?

Vor allem: WARUM?

Ein Unternehmen verkauft Chips. Kartoffeln, Öl, Gewürze, Aromen, Salz. Produkte, die auf Masse, Geschwindigkeit und Gewinn optimiert sind. Menschenfleisch wäre nicht nur moralisch der grösste Skandal der modernen Geschichte, sondern wirtschaftlich komplett unlogisch.

Menschen sind teuer. Menschen verschwinden nicht einfach. Menschen müssen registriert werden. Menschen haben Familien. Menschen hinterlassen Daten. Menschenfleisch wäre die ineffizienteste Zutat aller Zeiten.

Macht das Sinn für euch?

Ich glaube das die eigentliche Geschichte wahrscheinlich nicht „Menschenfleisch in Chips“ ist..

Es ist doch eher so, dass das kollektive Vertrauen in grosse Systeme inzwischen so beschädigt ist, dass Menschen selbst die absurdesten Behauptungen nicht mehr sofort ablehnen.

Das ist der eigentliche Schock. Denn wenn Millionen Menschen denken: „Hm… könnte schon sein…“ dann sagt das mehr über unsere Zeit aus als über die Chips. Und ehrlich? Ganz ungefährlich ist die Lebensmittelindustrie trotzdem nicht. Denn moderne Nahrung wird heute tatsächlich psychologisch gebaut.

Geschmack wird berechnet. Konsummuster werden untersucht. Suchtmechanismen werden getestet. Salz, Zucker und Fett werden exakt abgestimmt, damit dein Gehirn möglichst schnell nach „mehr“ verlangt.

Das liegt aber nicht an der Zauberzutat „Mensch“. Die Zauberzutaten sind Aufmerksamkeit, Wiederkauf und Dopamin.

Vielleicht brauchen wir also gar keine Horrorstorys über Menschenfleisch, um zu erkennen, dass viele Produkte längst nicht mehr dafür gemacht wurden, Menschen wirklich zu nähren.

Vielleicht reicht es schon, sich zu fragen, warum man eine Chips-Packung leer essen kann, obwohl der Körper längst satt ist.

Leaving WonD3rland 🪞💫

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