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Die Müdigkeit des Erwachens

20. Jan.
3 Min. Lesezeit

Als ich im März 2025 mit Telegram angefangen habe, hätte ich mir niemals vorstellen können, was daraus entstehen würde. Menschen aus der ganzen Welt. Stimmen, Gedanken, Erfahrungen. Texte, die mich so tief berühren, dass mir beim Lesen Tränen kommen, weil ich spüre, wie ehrlich sie sind, wie offen, wie menschlich. Und andere Texte, bei denen ich merke, wie sich mein System denkt.. ah.. wir sind wieder an diesem Punkt.

Diese feine Schärfe. Diese passive Spannung, die man nicht greifen kann.. die aber trotzdem zuverlässig im Raum steht. Meist gut formuliert. Oft „bewusst“. Manchmal sogar mit Herzchen am Ende.

Ich habe diesen Raum nie gemacht, um zu führen oder zu kontrollieren. Und ganz sicher nicht, um darüber zu diskutieren, wie etwas angesprochen werden darf, bevor wir überhaupt darüber sprechen, was da eigentlich angesprochen werden wollte.

Ich habe ihn gemacht, weil ich geglaubt habe, dass wir uns hier wirklich begegnen können. Dass wir uns austauschen können über das, was wir sind. Über das, wo wir stehen. Über das, was wir wahrnehmen in einer Zeit, in der so vieles gleichzeitig zerfällt und sich neu ordnet.

Und manchmal geschieht genau das. Dann lese ich Sätze, die etwas in mir weich werden lassen. Dann spüre ich Verbindung. Dann weiß ich, warum ich diesen Raum halte. Und dann gibt es Tage wie diese.

Tage, an denen wir uns an Formulierungen aufhängen, an Tonlagen, an Spiegeln, an Bewertungen darüber, wie etwas gesagt wurde, statt darüber, was überhaupt gefühlt, erkannt oder geteilt werden wollte. Tage, an denen Themen, die uns seit Jahren nicht wirklich weiterbringen, wieder auf den Tisch kommen - ganz frisch poliert, neu verpackt, energetisch exakt so zäh wie beim letzten Mal.

Manchmal frage ich mich, ob wir uns nicht auch deshalb so festhalten an Diskussionen, an Worten, an Bewertungen, weil da etwas darunter liegt, das schwer auszuhalten ist. Diese Erkenntnis, dass Erwachen nicht sofort Nähe bringt, sondern zuerst Abstand. Dass man sich plötzlich nicht mehr über Rollen, Meinungen oder Zugehörigkeiten definiert…sondern über etwas viel Unsichereres: das eigene Spüren. Und das ist deutlich weniger glamourös als jede Theorie.

Und vielleicht greifen wir einander genau dort an, wo wir uns eigentlich gegenseitig halten müssten. Aus dieser Angst heraus, allein zu sein mit dem, was man sieht. Oder schlimmer noch.. allein mit dem, was man fühlt, wenn man nichts mehr erklären kann.

Für mich als Kanalbetreiber fühlt sich das oft an wie eine permanente Säuberungsaktion. Nicht im Sinne von Löschen oder Wegmachen.. eher wie energetisches Staubwischen. Halten. Sortieren. Ausgleichen. Immer wieder prüfen: Gehört das gerade wirklich hierher oder entlädt sich da einfach nur jemand sehr eloquent?

Das ist mühsam. Zäh. Diese Art von Müdigkeit, die entsteht, wenn man merkt, dass alle schon sehr viel wissen.. und trotzdem keiner so richtig stehen bleibt.

Vielleicht ist das ein Teil des Erwachens, über den wir zu wenig sprechen. Diese Phase, in der man so viel erkennt, so viel fühlt, so viel durchschaut, dass man fast vergisst, warum man überhaupt losgegangen ist. Denn das Ziel war nie, alles zu verstehen. Sondern sich näherzukommen.

Vielleicht drehen wir uns deshalb im Kreis. Weil wir das Erkannte zu schnell nach außen tragen, bevor es in uns selbst landen durfte.

Ich wünsche mir Räume, in denen wir wieder mehr zuhören. In denen nicht jede Spannung sofort benannt, gespiegelt oder „zurückgegeben“ werden muss. In denen wir aushalten, dass jemand anders fühlt, denkt oder spricht als wir.. ohne daraus ein kleines Nebenkriegsschauplatz-Seminar zu machen.

Die ehrlichste Frage die du dir stellen kannst, wäre…

Bin ich gerade in Verbindung – oder noch im Erklären?

Leaving WonD3rland 🪞💫

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