IHR WOLLT GEMEINSCHAFT.. aber hasst schon den Nachbarn

Die Idee vom „gemeinsamen Dorf“ taucht überall auf. Menschen wollen „zusammen leben“, sich gegenseitig helfen, gemeinsam bauen, Gemüse anbauen, Kinder begleiten, unabhängig werden, näher zusammenrücken. Weg vom System. Und je kaputter die Welt wirkt, desto stärker scheint diese Sehnsucht zu werden. Irgendwo verständlich. Denn viele merken langsam, dass dieses komplett vereinzelte Leben den Menschen auf Dauer innerlich austrocknet.
Aber gleichzeitig frage ich mich manchmal, ob wir überhaupt noch wissen, was Gemeinschaft wirklich bedeutet. Denn viele Menschen mögen nicht einmal ihren Nachbarn.
Man lebt jahrelang Tür an Tür und schafft es kaum, sich ehrlich anzuschauen. Kleine Spannungen eskalieren sofort. Ein falscher Blick, ein Geräusch, eine andere Meinung, ein Hund, Kinderlärm oder einfach nur eine Persönlichkeit, die nicht ins eigene Weltbild passt, reichen heute oft schon aus, damit Menschen innerlich komplett dichtmachen.
Und genau diese Gesellschaft spricht jetzt plötzlich von großen Gemeinschaftsprojekten, neuen Dörfern, kollektiven Lebensformen und einem „anderen Miteinander“. Die, die nicht wirklich „gerne“ unter Menschen sind… sollen uns also jetzt zeigen, dass dies „unsere Chance“ ist?
Bisschen absurd irgendwie.
Denn ein Dorf ist keine Instagram-Fantasie mit Sonnenuntergang, Holzhaus und Lagerfeuerromantik. Ein Dorf bedeutet Nähe. Dauerhafte Nähe. Und Nähe bringt Dinge hervor, die man online wunderbar vermeiden kann ;-) Konflikte. Unterschiede. Projektionen. Verantwortung. Reibung. Man sieht sich nicht nur an guten Tagen. Man erlebt Menschen müde, verletzt, kontrollierend, neidisch, laut, überfordert oder emotional komplett dysreguliert.
Willkommen in der Realität.
Viele wünschen sich Gemeinschaft, solange sie emotional bequem bleibt. Sobald jedoch jemand widerspricht, Grenzen setzt oder eigene Bedürfnisse hat, zerbricht oft schon die Harmonie. Dann zeigt sich plötzlich, wie wenig Menschen heute eigentlich gelernt haben, Spannungen gemeinsam auszuhalten, ohne sofort zu flüchten, zu blockieren oder gegeneinander zu werden.
Da planen Menschen einen kompletten Gesellschaftsumbau, während sie emotional noch immer im Kindheitsalter festhängen.
Man spricht von freien Gemeinschaften, schafft es aber kaum, Kritik auszuhalten.
Man redet über Bewusstsein und neue Systeme, während jede kleine Ablehnung sofort das Nervensystem sprengt.
Man träumt von Dörfern voller Verbindung und scheitert gleichzeitig an einfachen zwischenmenschlichen Dynamiken, die früher oder später in jeder echten Gemeinschaft auftauchen.
Das klingt hart. Aber vielleicht muss man das endlich ehrlich anschauen. Denn Gemeinschaft bedeutet nicht, dass plötzlich alle lieb und bewusst werden. Gemeinschaft bedeutet, dass Menschen lernen müssen, mit echten Menschen klarzukommen. Nicht mit Fantasien. Nicht mit Rollen. Nicht mit spirituellen Selbstbildern. Mit Realität.
Und vielleicht merken deshalb gerade so viele, wie tief die eigentliche Einsamkeit inzwischen geht. Wir leben dichter zusammen als jemals zuvor und gleichzeitig emotional weiter voneinander entfernt als viele Generationen vor uns. Menschen teilen Wohnungen, Betten, Familien oder Telegram-Gruppen und fühlen sich trotzdem vollkommen allein.
Deshalb reicht es wahrscheinlich auch nicht, einfach neue Dörfer zu bauen.
Vielleicht müssten wir zuerst wieder lernen, überhaupt beziehungsfähig zu werden. Denn oft sind es genau die Menschen, die nach Gemeinschaft rufen, die mit sich selbst kaum in Ruhe sein können…. Und ja.. ich weiß… diese Erkenntnis tut weh.. aber sie macht dich frei ;-)
Leaving WonD3rland 🪞💫





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